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Unsere landwirtschaftliche Philosophie

Eigentlich war mein Vater nie weit weg vom ökologischen Anbau. Doch die äußeren Zwänge, scheinbaren Zwänge, und die sich einschleichende Normalität ließen unseren Betrieb zu einem fast ganz normalen Betrieb werden. Irgendwann schaut man nur noch auf die Rentabilität und spätestens dann sollte sich irgendwann die Sinnfrage einstellen oder der Burnout.

Als ich 2009 Christian Vogel kennen lernte wusste ich noch nichts davon, dass ich heute den elterlichen Betrieb führen würde. Eigentlich war ich auf dem besten Weg Filmemacher zu werden. Doch es kam anders. Christian Vogel entfachte in mir das Feuer zur Scholle neu, das ich als Kind schon immer in mir trug. Doch nicht die Liebe zur eigenen Scholle, sondern die Liebe zur Scholle als menschlicher Spielplatz in und mit der Natur, sie hat es mir angetan.

So begann ich 2011 naiv wie ich war, aber mit einem guten Gefühl ausgerüstet, ein Experiment, bei dem ich drei Helfer an meiner Seite wusste: Christian Vogel, Peter Bischler und vor allem: meinen Vater. Peter übernahm die Rückenspritze wenn ich auf Filmdreh war und Christian kümmerte sich mit mir um unsere Schafe und war eine lange Zeit jederzeit einfach an meiner Seite. Und mein Vater? Er erdulte jeden Schlag mit väterlicher Treue. Doch letztlich zählt das Ergebnis, auch wenn der Weg das Ziel war und noch immer ist. Ein Jahr lang befuhr keine Maschine den Spätburgunder Weinberg im Tannacker. Schafe kümmerten sich um die Boden- und Böschungspflege. Der Pflanzenschutz wurde lediglich mit Tees und mit Effektiven Mikroorganismen vorgenommen und wir erhielten neben einem enormen Humuszuwachs vor allem unseren ersten Schafswein. Einen Wein ohne Einsatz von Maschinen, ohne Einsatz von Spritzmitteln und ohne Einsatz von Kunstdüngern. 2012 brach ich im Linsenstadtium der Beeren den Versuch ab, als ich morgens meinen Weinberg in der Traubenzone grell-weiß leuchten sah. Peronospora hatte sich über alle Trauben ausgebreitet. Gut war und ist, dass ich täglich nach meinen Schafen sah und wusste, dass nun zu handeln war. Ich radelte schnurstracks nach hause und bat meinen Vater eine Spritze mit Kupfer fertig zu machen, denn ich wollte retten was zu retten war. Er wollte dies selbst tun und ich lies ihn gehen mit dem Hinweis: "Nur wenn du es ertragen kannst." Er ging und schwieg. So lernte ich binnen eines Tages, was der Anteil des Jahreslaufs auf den Druck der Schädlinge für einen Anteil hat. Alles oder Nichts kann es dann heißen. Wir haben 50% der Ernte gerettet - immerhin.

Ab 2010 studierte ich Hauschka, Lothar Vogel, Sepp Holzer, Maria Thun und Wolf-Dieter Storl. Und im Januar und Februar besuchte ich zwei Seminare des Beratungsdienstes der biologischen Weinbauern im Kloster St. Ulrich wo sich Wissenskreise schlossen. Jetzt begann sich das wildernde Studium zu konzentrieren und ich beschloss 2013, auch wenn ich sie nicht anwenden wollte, doch auch die konventionelle Literatur zu beackern. Man musste ja wissen was man nicht tun wollte. Und auch 2014 besuchte ich das Aufbauseminar in St. Ulrich, das in Wirklichkeit mehr ein Forum als ein Seminar ist, da gerade das zwischen den Zeilen Ausgetauschte die meisten Fragen beantwortete und auch die meisten neuen Fragen aufwarf und vor allem weil man die Rückmeldung bekam: Man ist nicht alleine! Ein Homöopahtisch arbeitender Winzer am Bodensee der einen ganzen Jahrgang verlor aber nicht aufgibt und heute auf dem besten Weg ist, ein homöpahtisch arbeitender Winzer in Bozen der seit 1978 erfolgreich auf dem Trip ist, neue Freunde, junge Wilde in Kandern und viele weitere interessante Bekanntschaften haben sich gebildet.

Aus all dem Studieren und Probieren hat sich ein Weg herausgebildet der heute auch technisch und vor allem für alle unsere Flächen machbar ist. Dabei kommt es uns auf zwei zentrale Elemente an: 1. schone den Boden und belebe ihn. Das heißt keine schweren Geräte und so wenig Geräte wie möglich. Konkret heißt das: Gründüngung und wachsen lassen - sonst nur Handarbeit an den Reben um den Boden nicht zu belasten. So haben wir in 2014 von Hand entblätter, von Hand gestutzt, von Hand zwischen den Stöcken ausgemäht. Einzige Überfahrten waren dem Pflanzenschutz zuzuschreiben. Resultat: ein wesentlich aktiverer Boden - Humusaufbau Teil 1 !

2. In Sachen Pflanzenschutz muss man nochmals unterteilen: 1. in Pflanzenstärkung und 2. in Schädlingsunterdrückung. Pflanzenstärkung mache ich mit einem leichten Elektromobil das umgerechnet dem Fussdruck des Mensch entspricht und so wie der Mensch auch, keine Vibrationen verbreitet, die neben dem Druck die größte Ursache für die Verdichtungen darstellen. Zur Pflanzenstärkung halte ich mich an den Mondkalender und die von Maria Thun empfohlenen Tees. Kamille an Fruchttagen, Schafgarbe und Löwenzahn an Blütentagen, Brennnessel an Blatttagen. Darüber hinaus Baldrianblüten um Johanni. Ich erweiterte dieses Reportoir um die Klassiker Ackerschachtelhalm, Eichenrinde und Beinwell aber auch um Ideen wie Eschenlaub und Weidenrinde, oder künftig auch Mädesüß. Egal ob Tee oder Jauche. Die Natur hat das richtige Mittel. Im Falle der Schädlingsunterdrückung ist nicht die Menge des Mittels ausschlaggebend sondern der richtige Zeitpunkt. Kupfer spritzt man am Effektivsten direkt nach dem Regen, noch auf das leicht feuchte Blatt, denn da schwimmen die Sporen die man erwischen will. Da reichen dann auch 50g !! pro Hektar für eine Spritzung. Schwefel ist nicht das Problem im Weinberg er verdunstet schnell und dient darüber hinaus dem Boden auch als Dünger zur Herstellung des lebensnotwenigen Humuses (100C+10N+1S). So spritze ich, da ich ja an anderer Stelle Überfahrten spare, lieber einmal mehr, dafür aber wesentlich weniger. Ja, die Zeit muss man haben, doch das Spritzmittel der Kollegen will auch erstmal verdient werden! Zur ersten Gruppe gehören für mich auch homöopathische Pflanzen- und Bodenhilfsmittel. Thuja wenn es zu kalt und zu nass ist im Frühjahr, Arnika nach Hagel oder Silicea zur Stärkung des Gewebes. Hier kann man sein Leben lang lernen. Fehlen zu guter letzt die beiden Horn-Präparate der Biodynamiker. Das Hornmistpräparat bringe ich nach dem Herbst und im Frühjahr aus, da wo der Boden eine zentrale Rolle spielt. Das Hornkieselpräparat sprühe ich einmal nach dem Austrieb, einmal vor der Blüte und nach der Blüte soweit es die Zeit erlaubt wöchentlich.

All diese Maßnamen sorgen dafür, dass unser Weinberg nicht nur gesund aussieht, sondern auch gesund ist. Und eines steht fest, je länger man mit der Natur arbeitet um so mehr kann sich die Natur auch wieder selbst helfen, und genau dies ist mein Ziel. Darüber hinaus habe ich noch nie so dicke Beerenhäute gegessen wie in diesem Jahr und die Frucht die dabei im Keller landet kann mit keiner Hefe erzeugt werden. So kann ich die Meinung von Altkellermeister Staiblin in Sasbach nicht teilen der einst sagte: ein Drittel macht der Weinberg, ein Drittel macht der Kellermeister und ein Drittel macht das Jahr. Ich kann nur sagen: Der Wein wird im Weinberg gemacht - zu 100%. Alles andere ist Chemie und Technik. Permakultur jedoch sucht den natürlichen Weg.

Mein Ziel ist es langfristig wie die Forderen auf Kupfer ganz verzichten zu können, denn dann haben wir keine vier Hektar Reben, sondern dann haben wir vielleicht irgendwann vier Hektar Reben unterwachsen von Buschbohnen und Kartoffeln, unterwachsen von Zuccinis und Aubergininen, unterwachsen von Getreide und Kräutern. Die Permakultur ist vor allem eines: Vielfältig und nicht Einfältig!

Herzlichen Dank an alle Inspiratoren und Mentoren,
aber auch allen Kritikern und Spottern,
aber vor allem herzlichen Dank an alle die den Weg mitbeschreiten,
tatkräftig und lebendig.

Ronald Linder





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